Interview mit der Volkswagen AG
Wie ist der Fahrwerkbereich von Volkswagen auf EXAM gekommen?
Matthias Sendzik (Koordinator HiL-Simulation im Bereich Entwicklung Fahrwerk Volkswagen AG): Bei Volkswagen begann EXAM als Pilotprojekt in der Fachabteilung für Systemintegration. Im Rahmen des EXAM User Forums 2006 begann die Diskussion darüber, EXAM auch im Fahrwerkbereich einzusetzen. Gemeinsam mit Veikko Voigt (MicroNova) und Frank Köhler (Volkswagen AG) starteten wir ein internes Pilotprojekt mit einem ESP/EPB-Prüfstand. Aufgrund der guten Unterstützungsstruktur seitens MicroNova wurde der Entschluss getroffen, EXAM im Fahrwerkbereich einzusetzen. Um dieses Thema zu forcieren, wurde im März 2007 mit Frank Peter (MicroNova) der erste Supporter für die Fahrwerk-Entwicklung beauftragt.
Was sind aus Sicht des Fachbereiches die Vorteile von EXAM in Bezug auf das vorher verwendete System?
Matthias Sendzik: Die bis dahin verwendeten Programme waren eher Insellösungen, d.h. bestimmte Funktionen beherrschten sie sehr gut, andere wiederum weniger. Auch gab es kein zufrieden stellendes Vernetzungskonzept für mehrere Prüfstände. Der große Vorteil von EXAM besteht in der bereichs- und markenübergreifenden Zusammenarbeit. Es wird mit demselben Tool gearbeitet, und es gibt eine gegenseitige Unterstützung. Es wird somit nicht mehr ein Problem an mehreren Stellen im Konzern bearbeitet. Ebenso werden Informationen übergreifend an Anwender weitergeleitet.
Stephan Herrmann (Testkoordination elektr. Lenksysteme Steuergeräteentwicklung ZF-Lenksysteme Volkswagen AG): Ein weiterer Punkt ist die Austauschbarkeit von Testfällen. Mit diesem Konzept ist es möglich, Probleme leichter nachzuvollziehen.
Wie hat sich der Testprozess in Bezug auf das alte Testsystem verändert?
Stephan Herrmann: Wir verwenden EXAM in Verbindung mit DOORS. Ziel ist die Trennung der Aufgabengebiete im Themengebiet Testfallerstellung in die Bereiche Testfallspezifikation und Testfallimplementierung. Spezifiziert wird mit DOORS, implementiert mit EXAM. Dazu bietet der EXAM-DOORS-Synchronizer eine ideale Schnittstelle zwischen beiden Programmen. Ein Ziel, welches wir momentan verfolgen, ist die Rückspielung der Testergebnisse aus EXAM in DOORS. Dies ermöglicht dem Testkoordinator einen guten Überblick über den Status des Testauftrages und ein sauberes Verschieben von Testpaketen.
Matthias Sendzik: Durch die Anbindung an DOORS kann direkt auf Testspezifikation referenziert und in EXAM darauf zugegriffen werden.
Welchen Nutzen bzw. Ziele verspricht sich Volkswagen von EXAM?
Matthias Sendzik: Innerhalb des Fahrwerkbereiches ist ein Großteil der HiLs auf EXAM umgestellt. Durch Anwenderrunden und den direkten Support durch MicroNova in den verschiedenen Fachbereichen ist die Anzahl der Standard-Routinen ständig gewachsen. Die benötigte Zeit zum Implementieren von Testfällen sinkt dadurch stetig. Wir versprechen uns große Vorteile durch die Einbindung von Fahrdynamikmodellen und neuen Diagnose-Tools.
Stephan Herrmann: Durch die Verbreitung von EXAM in verschiedenen Abteilungen wird deren Wissen in Form von Testspezifikationen und implementierten Tests anderen Anwendern zur Verfügung gestellt. Dadurch bilden sich automatisch Experten heraus.
Was werden in Zukunft die Anforderungen an EXAM sein?
Stephan Herrmann: Eine Schwäche von EXAM ist momentan der Aufwand der händischen Implementierung. Langfristiges Ziel muss eine komfortablere und intuitivere Benutzung sein. Momentan ist die Qualität des implementierten Testfalles sehr stark von den Fähigkeiten des Implementierers abhängig. Interessant halte ich auch eine Art intelligente Testüberwachung einzuführen. Beispielsweise sollte EXAM selbständig prüfen, ob ein Testfall / eine Testfallgruppe gültig gelaufen ist und ggf. Testgruppen erneut selbständig starten. Ein detailliertes Exception-Handling wäre somit eine sinnvolle Erweiterung.
Matthias Sendzik: Momentan werden bei uns Applikations-HiLs nur händisch betrieben. Hier wird das zukünftige Arbeitsfeld der Anwendung liegen. Besonderes Augenmerk wird im Bereich auf die Auswertung und Interpretation von Messergebnissen gelegt.
Des Weiteren sollte es möglich sein, eine anwenderspezifische Darstellung der Testergebnisse auf den jeweiligen Auftraggeber hin zuzuschneiden.
Wo sehen Sie EXAM in der Zukunft?
Stephan Herrmann: Ich sehe die Zukunft von EXAM als eigenständiges Tool der MicroNova. Es sollte die Möglichkeit geben, EXAM auch im Fahrversuch einzusetzen, um Teile mit einer Automatisierung zu unterstützen. In einer ersten Vorstufe sollten Referenzprüfstände mit EXAM betrieben werden. Zu diesem Zweck muss EXAM noch um detailliertere Display-Ausgaben und ein Trigger-Konzept erweitert werden.
Matthias Sendzik: EXAM soll sich zu einem Allround-Testtool für alle Bereiche entwickeln. Es soll HiL-, SiL- (Software-in-the-Loop) und Fahrzeugtests abdecken können. Eine weite Verbreitung von EXAM bei den Zulieferern ist wünschenswert, da man damit eine gemeinsame Basis für Testfälle hat und somit ein Informationsaustausch bei Problemen sehr einfach machbar ist.
Warum haben Sie MicroNova als Partner gewählt?
Matthias Sendzik: Der größte Vorteil für uns ist, dass die Mitarbeiter von MicroNova direkt in den Support von EXAM eingebunden sind. Gewünschte Änderungen an EXAM oder übergeordnete Funktionen bei der Testerstellung lassen sich einfach und unkompliziert einreichen und umsetzen.

