Mit vereinten Kräften für den weltweiten Einsatz – eine (Zwischen-)Bilanz der bisherigen Zusammenarbeit von carts und MicroNova
Seit mittlerweile etwa eineinhalb Jahren arbeiten die carts GmbH und die MicroNova AG eng zusammen. Im Juni 2009 hatte der MicroNova-Gründer und -Eigentümer Josef W. Karl die zu diesem Zeitpunkt noch als carts Real-Time Solutions GmbH firmierende carts GmbH aus der Insolvenz heraus übernommen. Während carts alle Geschäfte und laufenden Projekte ohne Unterbrechung für die Kunden weiterführte, hat sich vor allem hinter den Kulissen einiges getan: Viele interne Prozesse wurden vereinheitlicht und optimiert, gemeinsame Entwicklungen wurden angestoßen sowie vorhandene Produkte und Lösungen vertrieblich aufeinander abgestimmt.
Bereits in der zur Übernahme veröffentlichten Pressemitteilung war sich Josef W. Karl sicher: „MicroNova und carts haben eine ausgezeichnete technische Basis und die Produkte ergänzen sich ideal, so dass gute Synergien möglich werden. Wir sehen die neue Konstellation als große Chance, im Markt für Hardware-in-the-Loop-Simulatoren und Testautomatisierung eine wesentliche Rolle zu übernehmen.“ Diese Prognose war richtig: Die Zusammenarbeit trägt schon nach dem ersten Jahr Früchte, und beide Firmen sind momentan im Markt sehr erfolgreich.
Dabei spielen nicht nur die Technik und die Lösungen eine Rolle, der Schlüssel zur erfolgreichen Zusammenarbeit liegt in der Kommunikation der Mitarbeiter untereinander: Erst der lebendige Austausch zwischen den Mitarbeitern von carts und MicroNova ermöglicht es, die Synergien aus dieser Konstellation zu generieren und damit die Potenziale der Kooperation bestmöglich zu nutzen.
Kunden und Märkte
Während MicroNova PC-Bus basierende HiL-Simulatoren anbietet und unterschiedlichste Kunden aus der Automobilindustrie, wie BWM, MAN Nutzfahrzeuge sowie Marquardt zu ihren Kunden zählt, sind die carts-Systeme vor allem im Volkswagen Konzern im Einsatz. Für die Zukunft hat carts auch den Wachstumsmarkt China als große Chance identifiziert: Das Reich der Mitte wird für die Automobilhersteller ein Schlüsselmarkt werden, der Chancen für die Zulieferer nach sich ziehen wird. So wurde im Juli diesen Jahres ein HiL-System von carts an das Volkswagen Werk in Shanghai (SVW) geliefert.
Konzepte und Lösungen
Der große Vorteil der carts-Technologie liegt in ihrer einzigartigen Modularität. Basis hierfür sind die sogenannten Component-Test-Racks (CTRs). Jedes dieser Racks enthält Einzelmodule, welche die Umgebung mindestens eines Steuergerätes simulieren können. Das CTR und der zugehörige Echtzeitrechner sind so flexibel gestaltet, dass Erweiterungen oder Änderungen sehr einfach durchgeführt werden können. Somit werden Umrüstzeiten an den HiL-Simulatoren auf ein Minimum reduziert.
Ein weiterer Vorteil des modularen Aufbaus liegt in der Möglichkeit, mehrere CTRs zu koppeln und somit sehr große Verbundsimulatoren aufzubauen. Unterschiedliche Varianten von Fahrzeugkonfigurationen können über einen einfachen Austausch einer oder mehrerer CTRs oder ihrer Module abgebildet werden. Darüber hinaus können so neue CTRs an vorhandene Systeme angeschlossen werden.
Der modulare Aufbau von Hard- und Software ermöglicht es carts somit, HiL-Systeme unterschiedlichster Komplexität anzubieten. Das Portfolio reicht von sehr kleinen Systemen über Komponenten-HiLs bis zu großen Verbundssimulatoren. Im unteren Bild ist ein CTR gezeigt, wie es beispielsweise im Volkswagen Konzern eingesetzt wird.

Component Test Rack (CTR) der carts GmbH, © carts
Momentan profitiert carts – ebenso wie MicroNova – insbesondere von den rasanten Entwicklungsschritten der Hybridtechnologie im Automobilsektor. Dabei kommt die modulare Aufbautechnik den Anforderungen aus der Hybridtechnologie entgegen: Da die Modelle für die elektronischen Komponenten sehr viel schneller als die normalen Fahrzeugmodelle gerechnet werden müssen, macht es Sinn, den elektronischen Anteil als Modul mit isolierter Software zu behandeln. Bei carts wird dieser Anteil als eigener Simulator mit zugehöriger Software realisiert, der wiederum mit anderen CTRs gekoppelt und somit auch in ein Verbundsystem integriert werden kann. So wurde bei carts beispielsweise ein Batteriesimulator mit einem Elektromotor-HiL und einem Verbrennungsmotor-HiL gekoppelt; als Ergebnis konnte der komplette Hybridstrang unter Last simuliert werden. Beispielsweise kann die Kommunikation zwischen Batteriemanagementsystem und dem E-Maschinensteuergerät sowie dem Verbrennungsmotorsteuergerät getestet werden.
Neben dem umfangreichen Produktportfolio im HiL-Bereich bietet carts außerdem mechatronische Sonderlösungen an. Basierend auf den Anforderungen bestehender Nutzer wurden bereits mehrere Systeme aufgebaut und erfolgreich in Betrieb genommen. Als Beispiel ist ein Lenkungsprüfstand gezeigt, der mit carts-Komponenten realisiert wurde.

Lenkungsprüfstand der carts GmbH, © carts
Das modulare Konzept der Hardware findet sich bei carts auch in der Software wieder. Im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern wird die Konfiguration der HiL-Simulatoren nicht in die Modelle integriert; stattdessen werden Simulationsmodelle in die carts-
Software über fest definierte Schnittstellen eingebunden. Die zum Teil sehr großen Kundenmodelle können so in kleinere Modelleinheiten aufgeteilt werden, die wiederum je nach Bedarf flexibel ausgetauscht werden können.
Services und Wartung
Aber auch die beste Technik benötigt eine umfassende Betreuung. Die Entwicklungsprozesse bei den Kunden führen dazu, dass die Simulatoren immer wieder den jeweiligen Anforderungen entsprechend angepasst werden müssen. Die carts GmbH bietet daher einen Rundum-Service für die Anwender der Systeme. Zu diesem Service zählen neben der Vor-Ort-Betreuung auch Schulungen und telefonischer Support. Die carts-Mitarbeiter im Stammhaus Kassel bereiten Wartung sowie Um- und Aufrüstung der Simulatoren vor und führen diese beim Kunden durch. Auf diese Weise lassen sich die Kundenanforderungen zeitnah erfüllen.
Um einen noch besseren, übergreifenden Support für die Systeme von carts und MicroNova leisten zu können, wurde bereits im letzten Jahr damit begonnen, die Mitarbeiter beider Unternehmen gegenseitig zu schulen. In den Niederlassungen Ingolstadt und Wolfsburg arbeiten die Mitarbeiter von carts und MicroNova inzwischen unter einer einheitlichen Leitung. Diese Zusammenarbeit bringt für die Kunden den Vorteil, dass sie einen zentralen Ansprechpartner für die Systeme haben. Auf diese Weise werden Kommunikationsbrüche vermieden und Anfragen schneller erledigt.
EXAM
Bereits vor dem Jahr 2009 gab es eine Zusammenarbeit von carts und MicroNova. Daher ist die erfolgreiche Testautomatisierungssoftware EXAM, die von MicroNova gemeinsam mit Audi und VW entwickelt wurde, uneingeschränkt auf HiL-Simulatoren von carts lauffähig. So können Tests simulatorübergreifend zwischen den verschiedenen Systemen ausgetauscht werden. Für einen Testersteller, der EXAM verwendet, ist es folglich unerheblich, ob ein HiL-Simulator von carts oder MicroNova das Zielsystem ist.
Aufgrund der engen technischen Zusammenarbeit konnte die EXAM-Schnittstelle zu den carts-Simulatoren weiter verbessert werden. Für die Anwender bedeutet das eine durchgängige Lösung aus einer Hand. Dadurch wurde auch die Basis dafür gelegt, dass Testautomatisierung und HiL-Systeme weiter zusammenwachsen.
Zusammenarbeit
Um die Nutzung der Synergieeffekte kontinuierlich zu vertiefen, wird auch die Zusammenarbeit zwischen carts und MicroNova weiter intensiviert werden. So ist für beide Unternehmen bereits jetzt ein gemeinsamer Produktmanagementbereich eingerichtet worden. Ziel dieser unternehmensübergreifenden Schnittstelle ist es, das Zusammenwachsen im technischen Bereich voranzutreiben. Es geht allerdings nicht darum, von heute auf morgen die Technik zu vereinheitlichen. Vielmehr ist das integrierte Produktmanagement Ausdruck einer langfristig angelegten Strategie, welche die bestehenden Kundenbeziehungen berücksichtigt und einen Investitionsschutz für vorhandene Systeme sicherstellt.
Kurzinterview mit Josef W. Karl und Orazio Ragonesi, Geschäftsführer von carts
InNOVAtion: carts und MicroNova arbeiten nun seit über einem Jahr sehr eng zusammen. Das bisherige Fazit ist…?
Josef W. Karl: Positiv! Ich bin mehr denn je überzeugt von den Potenzialen, die carts hat. Das Lösungsportfolio ist bereits jetzt hervorragend und in Zukunft wird es da noch so manche Überraschung geben.
Orazio Ragonesi: Mit das Wichtigste ist: Die Mitarbeiter sowohl von carts als auch von MicroNova tragen sämtliche Veränderungsprozesse sehr engagiert. Immerhin haben sich über lange Jahre eigene Unternehmenskulturen etabliert.
InNOVAtion: Das klingt nach einer großen Herausforderung auf beiden Seiten?
Orazio Ragonesi: Es ist ganz natürlich, dass unterschiedliche Unternehmen unterschiedlich arbeiten. Wenn zwei Organisationen kooperieren, gilt es Prozesse und Abläufe zu vereinheitlichen, so dass Synergieeffekte genutzt werden. Das verlangt in der Regel einige Umstellungen, die neben den normalen Tätigkeiten umgesetzt werden müssen. Ich weiß sehr zu schätzen, dass wirklich alle Mitarbeiter beider Unternehmen bereit sind, auf unser großes, gemeinsames Ziel hinzuarbeiten: Wir wollen am Markt für Hardware-in-the-Loop-Simulatoren und Testautomatisierung eine wesentliche Rolle übernehmen.
InNOVAtion: Wird carts denn als separates Unternehmen weiter bestehen? Wenn von Synergien die Rede ist, bietet sich eine Integration doch an?
Josef W. Karl: Die Synergieeffekte sind zum allergrößten Teil unabhängig vom formalrechtlichen Konstrukt. Im Moment bringt eine Zusammenführung beider Unternehmen keine weiteren Vorteile. Natürlich kann es künftig ein Thema werden. Aber ich möchte betonen: Egal, ob ein oder zwei Unternehmen – ein gemeinsames Produktportfolio und die Kunden stehen an allererster Stelle. Beide entscheiden über den Erfolg.

